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Die Gemeinde Ginsheim-Gustavsburg liegt im äußersten
Nordwestzipfel des Landkreises Groß-Gerau.
Der Ortsteil Gustavsburg lag
ursprünglich auf Kostheimer Gemarkung. 1816 wurde er von Kostheim losgetrennt
und der Gemarkung Ginsheim zugeschlagen. Seither führt die Gemeinde den Namen
Ginsheim-Gustavsburg. 1930 erfolgte die Eingemeindung nach Mainz. Rund 15 Jahre
waren Ginsheim und Gustavsburg Mainzer Vororte, um dann mit der Einführung des
Besatzungsstatus wieder abgetrennt und unter einheitlicher Verwaltung in den
Landkreis Groß-Gerau eingegliedert zu werden.
Ginsheim
Das Altrheinstädtchen Ginsheim ist eine Frankensiedlung, doch
haben Fundreste aus der La-Tène-Zeit zu der Annahme geführt, daß auch schon
Kelten in der heutigen Ginsheimer Gemarkung gewohnt haben. Die erste urkundliche
Erwähnung geht in das Jahr 1190 zurück. Damals war "Ginnenheim" ein
Reichsdorf und zählte zu den kaiserlichen Gütern. Seine Schreibweise wandelte
sich später zu "Gynnensheim". 1319 heißt der Ort
"Gynsheim" und 1392 schließlich "Ginsheim".
Gegenkönig Wilhelm von Holland verpfändete
1248 das
Reichsdorf dem Grafen Dieter von Katzenelnbogen. Die Herrschaften wechselten
danach häufig, bis Graf Heinrich von Isenburg-Büdingen-Ronneberg das Gebiet
des Amtes Kelsterbach, zu dem auch Ginsheim gehörte, im Jahre 1600 an den
Landgrafen Ludwig V. von Hessen verkaufte, um es dem lutherischen Glauben zu
erhalten. Die schöne evangelische Kirche, die man um die Mitte des 18.
Jahrhunderts anstelle einer alten errichtete, fiel 1944 den Bomben zum Opfer.
Erst zehn Jahre später erstand sie wieder neu. Seit 1954 hat auch die
katholische Kirchengemeinde ein eigenes Gotteshaus.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde Ginsheim so stark verwüstet,
dass es gegen Kriegsende fast entvölkert war.
Die Ginsheimer der vergangenen Jahrhunderte waren Bauern,
Fischer und Müller. Auf dem Rhein vor Ginsheim lagen noch zu Beginn dieses
Jahrhunderts zeitweilig 15 Schiffsmühlen vor Anker, zu denen die Bauern aus nah
und fern das Getreide zum Mahlen brachten. Das Mühlengeschäft war ein
einträglicher Erwerbszweig. Erst 1929 stellte die letzte Schiffsmühle den
Betrieb ein; andere Mühlen, die sich mittlerweile auf dem Land sesshaft gemacht
hatten, übernahmen das Geschäft.
Insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg dehnte sich Ginsheim
flächenmäßig stark aus und erfüllt heute, gut ausgestattet mit den
erforderlichen kommunalen Einrichtungen, als Arbeiterwohngemeinde im Vorfeld der
umliegenden Großindustrie spezielle Aufgaben. Das idyllisch am Altrhein
gelegene Städtchen ist im Laufe der Jahre zu einem vielbesuchten
Erholungsgebiet geworden. Hauptanziehungspunkte sind die Anlagen längs des
Altrheines und die dem Ort vorgelagerten Inseln Nonnenau, Langenau und
Rabenwörth.
Gustavsburg
Gustavsburg verdankt seinen Namen und Ursprung dem
Schwedenkönig Gustav Adolf, der nach seinem erfolgreichen Rheinübergang am 17.
Dezember 1631 und der Einnahme der Stadt Mainz eine umfangreiche Festungsanlage
an der Mündung des Mains in den Rhein erbauen ließ. Zeitweise wurden bis zu
1500 hessen-darmstädtische Bauarbeiter aus dem Ried und dem Odenwald
herangezogen, um eine rasche Fertigstellung des Werkes zu ermöglichen. So
erstreckte sich die Bauzeit der sechs sternförmig angelegten Bastionen und
ihrer selbständigen Vorwerke, die allesamt aus Stein gebaut wurden, nur auf
zwei Jahre.
Während der Bauarbeiten traten an mehreren Stellen Mauerreste
römischen Ursprungs zutage. Nach zeitgenössischen Berichten wurden auch eine
Reihe Altäre und Grabdenkmäler, zahlreiche Münzen und Gefäße gefunden.
Pfahlroste einer Römerbrücke, unter Trajan erbaut, befinden sich noch heute im
Flussbett des Mains und dokumentieren die strategische Bedeutung der Mainspitze
zur Römerzeit.
Reichskanzler Axel Oxenstierna, der das Werk seines gefallenen
Königs fortsetzte, erließ am 2. Dezember 1633 einen Schutz- und Freiheitsbrief
für die neue "Realfestung und Stadt", deren "herrliche Situation
und Commodität" bereits Gustav Adolf wahrgenommen hatte, und verlieh den
Bewohnern und allen, die sich an dem neuen Platz ansiedeln wollten, ansehnliche
Privilegien. Wie viele dem Ruf nach Gustavsburg folgten, ist nicht mehr
festzustellen. Nach zwei harten Belagerungen durch kaiserliche Truppen wurde die
Festung von den Schweden im Jahre 1635 aufgegeben und geräumt. Bis 1648 hielten
sich noch französische Truppen auf, doch danach setzte ein stetiger Verfall
ein.
Mit dem Bau der Eisenbahnbrücke über den Rhein oberhalb von
Mainz entstand 1860 die "neue" Gustavsburg, nachdem bereits seit 1784
eine Gastwirtschaft am alten Gustavsburger Hafen und eine zweite seit 1836
bestanden. Aus dieser Ansiedlung mit zehn Einwohnern entwickelte sich im
Zeitraum von rund hundert Jahren ein blühender Industrieort, der vor allem nach
dem letzten Krieg große Anstrengungen machte, um die einem modernen Gemeinwesen
übertragenen Aufgaben zu erfüllen. Die allgemeine städtebauliche Planung lässt erkennen,
dass grundsätzlich eine aufgelockerte Bebauung mit
eingestreuten Grünflächen angestrebt wird.
Gustavsburg verfügt über äußerst günstige
Verkehrsverbindungen, denn Bahn, Schiff und Auto schließen das gesamte
Rhein-Main-Dreieck an die großen europäischen Verkehrswege an. Die enge
Beziehung zum Wasser findet im Gustavsburger Hafen ebenso ihren Ausdruck wie in
der Mainschleuse "Staustufe Kostheim", die in den achtziger Jahren des
vorletzten Jahrhunderts als erstes Tor zum Main erbaut und nach dem letzten Krieg
gründlich erneuert und modernisiert worden ist.
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